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DAS WESEN DER ZEIT

 

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Der Sprung in die Zukunft

Aus dem Buch "Das Rätsel von Raum und Zeit", erschienen im Weltbild Verlag

Der Sprung in die Zukunft ist ein verwirrendes, aber recht häufiges Phänomen.
Die Forscher gehen bei ihren Studien über Zeitgleiter davon aus, daß die Mehrheit der Medien Vergangenes erlebt, das heißt, die Gegenwart wird von einer anderen Zeitdimension der Vergangenheit verdrängt. Die Vielzahl der Berichte beweist aber, daß dem nicht so ist.

Zeitgleiter in die Zukunft sind fast ebenso häufig. Sie beunruhigen das Medium allerdings oft sehr stark, weil sie meist nicht gedeutet werden können. Es gibt zwei Arten von Vorahnungen: Im Wachzustand und im Traum, die wiederkehren können. Einmalige Träume sind aber die Regel. Bei der Vorahnung kann es sich um ein belangloses oder ein tragisches Ereignis handeln. Seltsamerweise haben dramatische Geschehnisse keinen besonderen Stellenwert und werden ebenso häufig voraus geahnt wie banale Dinge.

Nehmen wir etwa den Fall der Lehrerin aus Cheshire, nennen wir sie Mrs. Xenia Stafford. Im Juni 1948 träumte sie, sie würde Kleider aus einem Schrank in einen Schiffskoffer packen. "Ich packte Kleider, die ich nicht besaß, aus einem Schrank, den ich nicht kannte, in einen Koffer, den ich noch nie gesehen hatte", sagte sie. Im folgenden Herbst ließ sie sich an der Manchester Universität immatrikulieren; erst jetzt dachte sie daran, daß sie neue Kleider brauchte.
Im September brachte ihr dann ein Onkel einen Schiffskoffer von einer Auktion mit, ihre Mutter nähte und kaufte ihr einige neue Kleider, und sie zog ins Studentenheim. Ihre Zimmerkollegin hatte schon das beste Bett und den besten Schrank belegt. Xenia blieb ein alter dreieckiger Schrank, den sie zu dieser Zeit noch nicht "erkannte".
Erst am Ende des Semesters, als sie ihren Koffer packte, fiel ihr plötzlich der Traum ein, den sie sechs Monate zuvor gehabt hatte. Sie erinnerte sich an jedes Detail. Kein weltbewegendes, aber signifikantes Erlebnis.
Auch Mrs. M. Bussell, hatte einen Traum, der ein banales Erlebnis vorahnte. Sie arbeitete in der Gray's Inn Road in London und nahm täglich die U-Bahn von Stockwell zur Chancery Lane.
Eines Morgens träumte sie, sie ginge die Treppen der U-Bahn-Station in der Chancery Lane hinauf und sah auf der linken Seite eine Frau mittleren Alters, die wegen eines verkrüppelten Fußes vorsichtig und langsam die Treppen hinunterhumpelte.
Mrs. Russell erwachte und war etwas irritiert. Sie fragte sich, was dieser banale Traum wohl bedeuten könnte. Wäre sie einen anderen Weg zur Arbeit gegangen, hätte sie den Traum sicher vergessen. Sie fuhr aber mit derselben U-Bahn. Als sie die Treppe hinaufstieg und nach links blickte, sah sie die Frau aus ihrem Traum, die wegen eines versehrten Fußes tastend langsam die Treppe hinunterging.
Mrs. Russell konnte sich keinen Reim auf den Vorfall machen. Sie hatte diese Frau nie zuvor gesehen und traf sie auch später nie wieder. Der Traum hatte ihr lediglich ein Ereignis angekündigt, das wenige Stunden später passieren sollte, ohne jegliches Nachspiel, ohne tieferen Sinn, einfach eine Vorhersehung. Wir gehen vielleicht von der falschen Annahme aus, daß jedes paranormale Ereignis eine bestimmte Bedeutung haben muß. In Wahrheit sieht es anders aus; manche seltsamen Ereignisse haben eine Bedeutung, andere nicht. Sie treten oft im gleichen Verhältnis auf.
Noch öfter als im Traum erscheinen Vorahnungen im Wachzustand, unwillkürlich, meist kurz vor dem Ereignis. Sie sind eher Vorahnungen als Vorhersehungen und betreffen vor allem banale Ereignisse. Die Entwicklungszeit, das heißt, die Zeit zwischen Vorahnung und Geschehnis, ist in der Regel sehr kurz. Sie dauert oft Stunden oder Tage, selten Wochen oder Monate. Es gibt aber auch Fälle mit einer sehr langen Entwicklungszeit.
Eine der bemerkenswertesten Vorahnungen eines tragischen Ereignisses widerfuhr Miss R. H. Hodgskin aus Birmingham und ihrer Freundin Tessa G. Am 20. April 1974 verbrachten die beiden einige Zeit in London und beschlossen, den Tower zu besichtigen, das wohl bewegendste Denkmal von London mit seiner Geschichte von Königen, Prunk, Schmerz und Terror. Der Tag, an dem die beiden das Bauwerk besuchten, war friedvoll, und im White Tower befanden sich nur wenige Touristen in der Waffensammlung.
Nachdem sie eine Zeitlang die Waffen bestaunt hatten, fühlten sie eine unerklärliche Beklommenheit und beschlossen, ins Freie zu gehen. Auf halbem Weg sagte Tessa: "Ich höre Kinder schreien." Miss Hodgskin vernahm gar nichts, nur das leise Reden der Touristen hinter ihnen. Doch Tessa war ganz aufgeregt und wiederholte "Ich höre Kinder, die schreien und weinen." Ihre Freundin hörte immer noch nichts Außergewöhnliches, und jeder der beiden zweifelte am Hörvermögen der anderen. Tessa G. war überzeugt, Kinderschreie bemerkt zu haben. Draußen war der Vorfall bald vergessen.
Wenige Monate später explodierte im White Tower eine Bombe, die Terroristen dort deponiert hatten. Viele Menschen, darunter auch Kinder, wurden getötet und verletzt.
Was hatte Tessa G. gehört? Schmerzensschreie aus der traurigen Vergangenheit des Tower? Oder das Weinen der Kinder, die mehrere Monate später Opfer des Anschlages werden sollten! Die letztere Möglichkeit scheint wahrscheinlicher, obwohl man die echten und die in der Vision gehörten Schreie vergleichen müßte. Offensichtlich werden Vorahnungen und Rückblenden entweder gesehen oder gehört, manchmal auch beides.

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