Aber was ist denn nun "Zeit"?
Definitionen
Seit Anbeginn dieser Homepage bekomme ich regelmäßig die unterschiedlichsten Definitionen darüber, was denn nun
"Zeit" sei. Wie zu vermuten war, hat jeder seine eigene Vorstellung davon. Interessanterweise weichen die Meinungen darüber
so sehr voneinander ab wie bei keiner anderen Thematik. Für den einen ist "Zeit" nichts anderes als das, was ihm die Uhr an
seiner Wand zeigt, für den nächsten ist sie ein stetiger Fluß, eine Empfindung, wieder für einen anderen ist
sie nur eine mathematische Variable und manche Menschen glauben gar nicht, daß sie existiert.
Ebenso unterschiedlich zeigt sich das Verhältnis verschiedener Menschen zur Zeit: Während sie für manche Leute
reiner Luxus ist, haben andere so viel davon, daß sie nicht wissen, was sie damit anstellen sollen. Doch kann man überhaupt
von "Zeit haben" sprechen? Ist es nicht immer nur eine Ausrede zu behaupten, man hätte keine Zeit? Komischerweise haben wir
immer Zeit für das, wovon unser Leben abhängt, oder für das, was uns schlichtweg wichtig ist...
Meine Definition von "Zeit"
Ich denke, daß den meisten Menschen ein paar grundliegende Denkfehler unterlaufen, wenn sie sich Gedanken zu diesem Thema machen.
Das beginnt schon bei der Fragestellung, was Zeit denn nun sei. Meine Vorstellung einer korrekten Antwort hierzu bezieht sich darauf, wie sich
die Zeit uns Menschen bemerkbar macht. Grundsätzlich handelt es sich dabei einfach nur um Veränderung. "Zeit" ist in meinen Augen
eine Veränderung von Zuständen. Das hört sich simpel an. Die eigentliche Frage sollte nun aber die nach der Ursache und nicht
nach der Wirkung sein. Die Frage sollte also nicht lauten: "Was ist Zeit?", sondern: "Warum existiert die Zeit?". Das ist die Frage, die ich
meine, wenn ich nach dem Wesen der Zeit frage. WARUM drehen sich die Planeten, Sonnensysteme und Galaxien... warum expandiert das Universum,
bewegen sich Autos, Menschen und Wasser...warum also existieren wir und warum existiert unsere Welt in dieser Form? Nun wird der eine oder
andere sagen: "Es ist, wie es ist, egal warum...", und während er das ausspricht, muß selbst der gelangweilte Leser zugeben, daß er mit
dieser Aussage daneben liegt, und ausgerechnet
die Zeit selbst Ursache hierfür ist, denn: Genaugenommen ist in dieser Welt
nichts mehr so, wie es eben noch war, als man begann, diesen Satz
auszusprechen.
Ich teile die Ansicht von der Zeit als
eigenständige Dimension in einem mehrdimensionalen Universum. Die Art und Weise, wie sie sich uns
bemerkbar macht (in Form von Veränderung und Bewegung), scheint zudem
eine
Notwendigkeit zu sein, um Leben erst zu ermöglichen. Ohne das Phänomen
Zeit würden wir nicht existieren, und alleine die Tatsache, dass wir hier
sind und uns Gedanken dazu machen können, ist für mich Beweis genug für
ihre Existenz. In ihrem "Auftreten" erweckt sie auf uns den
Anschein, daß wir sie verstanden haben. Für uns ist es das Normalste, daß jeden Tag die Sonne auf- und untergeht, daß es im Sommer wärmer ist als im Winter, und
wir stellen uns mit unseren Lebensgewohnheiten darauf ein, ohne wirklich zu verstehen, warum
alles so ist, wie es zu sein scheint.
Wenn wir von der vierten Dimension sprechen, entsteht sehr leicht der Eindruck, die Zeit stünde in ihrer Wichtigkeit an vierter Stelle.
Doch macht es ebensowenig Sinn, von den anderen drei Dimensionen zu sprechen und die Zeit dabei unberücksichtigt zu lassen, wie es keinen
Sinn macht, von lediglich ZWEI Raumdimensionen zu sprechen. Selbst die dünnste Folie würde ohne ihren Durchmesser nicht existieren, und
letztendlich ist sie nur eine Ansammlung von Zuständen im Raum zu bestimmten Zeitpunkten.
Warum existiert Zeit?
Ich habe die Frage bewußt so gestellt, um sie einfacher behandeln zu können.
Zeit existiert, da wir ohne sie ebenfalls nicht existieren würden und uns nicht die Frage stellen könnten, warum sie
existiert. Es ist eben so, weil es so sein muß. Doch warum muß das so sein? Es könnte doch auch
anders sein. Dann
könnten wir uns eben nicht die Frage danach stellen. Die Frage ist also doch eine
andere, oder muß genauer formuliert werden:
Wie kommt Zeit zustande?
Bemerkbar macht sie sich also durch Veränderung ("die Zeit verändert den Raum" - Zitat aus dem Film "Die Zeitmaschine", siehe
"Zeitrückblicke" auf der Startseite). Doch was ist die treibende Kraft hierfür? Ich denke, daß der Mensch nie fähig sein wird, die
Antwort darauf zu finden - falls es überhaupt eine reale Antwort darauf gibt. Eine für uns Menschen plausible Antwort darauf
wäre vielleicht, daß jeder Wirkung eine Ursache vorausgeht, und wir lediglich im Begriff sind, diese Wirkungen
wahrzunehmen und sie als "Zeit" zu interpretieren.
Diese "Erklärung" würde sich jedenfalls mit dem "gesunden Menschenverstand" in Einklang bringen lassen.
Der Mensch kann nun lediglich Zusammenhänge zwischen Ereignissen finden und Denkmodelle aufstellen. Das ist es, was wir als
"Erklärung" bezeichnen. Unser Weltbild würde sich durch eine gigantische Kettenreaktion erklären lassen und jeder Momentanzustand
wäre auf irgendeine Wirkung zurückzuführen, die bestimmten Gesetzen unterliegt. Auslöser dieser Kettenreaktion ist womöglich
der Urknall - der Ursprung aller Ursachen also. Die Geburtsstunde der Zeit -
wenn man der Wissenschaft glaubt. Wenn wir den Big Bang als Ursprung aller Ereignisse und somit als Nullpunkt unserer Zeitlinie betrachten,
wird auch verständlich, warum wir uns seine Ursache nicht erklären können. Es ist die Vorstellung, daß ihm kein Ereignis
zugrunde liegt, daß ihm als einzige Wirkung keine Ursache vorausgeht, wir ihn uns deshalb nicht durch die Darlegung
weiterer Ursachen erklären können.
Das Wesen der Zeit
Zeit scheint allerdings
mehr zu sein als nur Kausalität - dem Prinzip von Ursache und Wirkung.
Manche ihrer Eigenschaften deuten darauf hin, daß sie eine eigene Form
besitzt, und daß die Raumzeit als untrennbares, zusammenhängendes
Gebilde in sich gekrümmt ist. Für diejenigen, die Raum und Zeit als zwei
unterschiedliche Definitionen ansehen, würde das bedeuten: Der Raum
krümmt sich in der Zeit! Und eben durch diese Krümmung verläuft selbst
die scheinbar geradeste Flugbahn eines Objektes auf sehr sehr lange
Distanz in leicht gekrümmter Form. Diese Krümmung ist so minimal, daß
sie außerhalb des wahrnehmbaren Bereichs liegt. Verlängerte man diese
Krümmung (rein imaginär) auf ihr Maximum, ergäbe sie einen Kreis, was
uns Aufschluß über die Form unseres Universums gibt. Auf diese Weise
können wir uns in jedem Punkt unseres Universums als
"Mittelpunkt" betrachten. Es ist reine Definitionssache. Doch
wer jetzt glaubt, irgendwann eine Reise quer durch den gesamten Kosmos zu
unternehmen, wird leider enttäuscht. Eine derartige Reise würde, selbst
mit der maximalsten Geschwindigkeit - der des Lichts - in jedem Fall
länger dauern, als das Universum selbst existiert :-)
WAAAASSSS IST
ZEEEIT !!???
Wer jetzt enttäuscht ist,
keine plausible Antwort auf die Frage nach dem Wesen der Zeit gefunden zu
haben, für den habe ich dennoch eine Antwort, die meine Meinung
wiederspiegelt:
"Zeit ist das, was wir
daraus machen"
M. Uhl
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