Manus Homepage über die Zeit

Corona-Extremismus

Mittwoch, 25.11.2020

Ja, ich weiß ... immer wieder Corona. Viele können es nicht mehr hören. Trotzdem muss ich das Thema wieder aufgreifen. Es polarisiert unsere Gesellschaft einfach zu stark, weshalb ich ein paar Dinge zur aktuellen Situation aus meiner persönlichen Sicht unbedingt loswerden möchte.

Warum gibt es nur zwei Lager?

Das Thema Corona polarisiert, ist radikal und spaltet unsere Gesellschaft. Toleranz Fehlanzeige, egal in welcher Richtung. Nur Extremisten. Die einen würden am liebsten jeden, der sich nicht an Maskenpflicht oder Auflagen hält hinter Gittern sehen (das dürfte die gesellschaftlich akzeptiertere Seite sein) und die anderen sind die, die es wagen sich zu trauen, die aktuellen Maßnahmen, deren Wirksamkeit oder Verhältnismäßigkeit in Frage zu stellen.

Doch warum ist das so? Ich habe mir Gedanken dazu gemacht und stoße mit diesen Ansichten in meinem persönlichen Umfeld ausschließlich auf Zustimmung.

Freiheit vs. Gesundheit

Warum es nur diese zwei Lager geben kann, hat einen einfachen Grund:
Die einen haben Angst um ihre Gesundheit und die anderen um ihre Freiheit.

Kaum jemand fällt nicht in eines der beiden Raster. Doch eines haben beide gemeinsam: Angst. Und die hat eine gewaltige Macht auf unsere Psyche. Sie verhindert den objektiven Umgang mit einer Sache. Und sie verleitet zu Radikalismus. Das gilt leider auch für Redakteure unserer Medien und einige Politiker, siehe nächster Abschnitt.

Der allgemeine Umgangston

Eine neue Dimension der Hetze scheint sich gesellschaftlich zu manifestieren und wird vom Staat nicht moniert sondern auch noch gefördert. Mit Ausdrücken wie Coronagegner, Coronaleugner, Querdenker oder Verschwörungstheoretiker werden Menschen diffamiert und über einen Kamm geschert, die eine kritische Haltung zum aktuellen Geschehen zeigen. In Berichterstattungen (z. B. in den TV-Nachrichten als persönliche Ansicht der Redaktion oder des Nachrichtensprechers) oder im Bundestag haben solche Begriffe meines Erachtens nichts verloren, da sie mittlerweile als Schimpfwort eingesetzt werden. Das ist meiner Ansicht nach herabwürdigend und aus psychologischer Sicht bedenklich, erinnert mich stark an eine Zeit, die ich zum Glück nicht erleben musste und die in diesem Zusammenhang nicht genannt werden darf, um nicht selbst Opfer dieser Beschimpfungen zu werden.

Verschwörungstheoretiker

Auf einer Ebene mit „Corona-Leugner“ wird häufig auch der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ genannt. So werden häufig Menschen betitelt, die die „Gefährlichkeit“ des Virus in Frage stellen. Doch ohne mich auf eines der oben genannten Lager reduzieren lassen zu wollen halte ich die Frage nach der Gefährlichkeit des Virus aus medizinischer Sicht für essenziell. In meinem persönlichen Umfeld wurden bereits Mediziner in systemrelevanten Ämtern, die sich die Frage nach der „Gefährlichkeit“ des Virus stellten „wegbefördert“ oder stehen auf der Abschussliste. Doch offensichtlich besteht in dieser Frage Klärungsbedarf und solange ist es zwar ebenfalls verwerflich aber nicht weniger falsch, diejenigen als „Verschwörungstheoretiker“ zu betiteln, die SARS-CoV-2 überspitzt gesagt als gefährlichen Killervirus ansehen.

Unmut wird geschürt

Wie der Deutsche Staat (und die Medien) derzeit mit dem Thema und der Bevölkerung umgeht ist in meinen Augen eine Schande: Demonstrieren gilt als verwerflich (wer es trotzdem tut wird mit einer rechtsextremen Minderheit auf eine Ebene gestellt), Fakten werden ignoriert, fragwürdige Gesetze werden im Eilverfahren verabschiedet, vieles wird auch verschwiegen oder bewusst nicht thematisiert und wer nichts tut und zusieht wird als Held dargestellt. Dazu jedoch später mehr.

So wurde beispielsweise Ende Oktober bekannt, dass ein großes bayerisches Labor reihenweise falsche Corona-Testergebnisse geliefert hat. Nur zwei von 60 Tests hätten in einer Stichprobe richtige Ergebnisse geliefert (kurz angemerkt: Würfeln wäre eine deutlich zuverlässigere Testmethode!). Es sei kein Einzelfall und auch andere Labore hätten ähnliche Schwierigkeiten. Die Ergebnisse solcher Tests fließen jedoch in die Ermittlung der Inzidenzwerte ein, aufgrund derer politische Maßnahmen ergriffen werden!

Mit großer Spannung sah ich mir die Nachrichtensendungen nach Bekanntwerden dieser Misere an. Und was wurde berichtet? Nichts. Es wurde nicht einmal erwähnt! So darf man mit dem Thema nicht umgehen, so etwas stiftet Unmut. Stattdessen war nur irgendeine Statistik zu sehen, nach der angeblich die Mehrheit der Bevölkerung eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen befürworte.

Infektionsschutzgesetz

Ich glaube dass der Mehrheit gar nicht bewusst ist, was in manchen Gesetzen wirklich steht. Da das sogenannte „Infektionsschutzgesetz“ aufgrund der Erweiterung um Paragraf 28a im Fokus ist, habe ich mich gefragt, was denn eigentlich in diesem bereits 2001 in Kraft getretenem Gesetz sonst noch so steht und habe mich auf Wikipedia informiert.

Zitat:

Durch das IfSG werden Grundrechte eingeschränkt. Dazu zählen die körperliche Unversehrtheit, die Freiheit der Person, die Freizügigkeit, die Versammlungsfreiheit, das Brief- und Postgeheimnis sowie die Unverletzlichkeit der Wohnung. Außerdem darf ein berufliches Tätigkeitsverbot verhängt werden. Im Einzelnen geschieht dies durch das Gesetz selbst, durch Rechtsverordnung aufgrund des Gesetzes oder durch Maßnahmen, zu denen das Gesetz Behörden ermächtigt.
Wozu beispielsweise das Recht auf „körperliche Unversehrtheit“ eingeschränkt wird, kann ich nur mutmaßen. Wir reden hier von einem absolut schützenswerten Grundrecht, das schon aufgrund demokratischer Grundsätze nur eingeschränkt werden darf wenn zwingende Gründe bestehen. Ich erinnere mich nur an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sagte, es werde keine Zwangsimpfungen geben. Vielleicht ist das ja so. Mal sehen was aber passiert, wenn die ersten Impfungen stattfinden: Welche Sonderrechte erhält jemand, der nachweislich geimpft wurde und welche Einschränkungen und Pflichten gelten dann für die, die keine Impfung nachweisen können.

Bundesregierung setzt falsche Zeichen

Wenn ich schon Fernsehen schaue, dann meistens zeitversetzte Aufnahmen und ich überspringe dabei grundsätzlich jeden Werbeblock. Doch vor ein paar Tagen war der Finger an der Fernbedienung zu langsam und ein Werbeclip der Bundesregierung hatte es tatsächlich geschafft, meine Aufmerksamkeit zu ergattern.

Das Video zeigt einen alten Mann in der Zukunft, der über seinen heldenvollen Einsatz 2020 als 22-jähriger berichtet. Er spricht von „damals, als die zweite Welle kam“.

Wörtlich geht es dann weiter:
„22... in diesem Alter will man doch feiern, studieren... jemanden kennenlernen, all sowas, oder mit Freunden einen trinken gehen... doch das Schicksal hatte andere Pläne mit uns - eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles woran wir glaubten. Und das Schicksal dieses Landes lag plötzlich in unseren Händen. Also fassten wir all unseren Mut zusammen und taten, was von uns erwartet wurde: Das einzig richtige...

„Wir taten: NICHTS! Absolut gar nichts! Waren faul wie die Waschbären!“ ...

Welch eine Klatsche für alle, die sich täglich in den Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und in anderen Bereichen für Patienten und im Kampf gegen das Virus einsetzen. Eine Ohrfeige sondersgleichen, unfreiwillig auch noch finanziert von uns allen!

Die Realität ist doch diese: Viele leisten Überstunden bis zum Umfallen, opfern sich im Pflegebereich auf (und Corona fordert aufgrund aller Maßnahmen gerade in diesen Bereichen sein Tribut, selbst wenn man nicht direkt mit dem Virus oder mit Corona-Patient(inn)en konfrontiert ist), Alleinerziehende und berufstätige Eltern mit Kindern im Kindergarten- oder Schulalter sehen oft kein Licht mehr am Ende des Tunnels (und ich spreche aus eigener Erfahrung). Das, was diese Menschen derzeit Leisten, lässt sich nicht in Worte fassen. Jetzt will uns die Regierung weismachen, dass die wahren Helden des Alltags diejenige sind, die zuhause chipsfressend auf dem Sofa liegen und nichts tun?
Welch vorbildliches Signal an unsere Jugend: „Tut nichts, seid faul und ihr seid die Helden unserer Zukunft!“.

Schweden

Wir sollten uns ein Beispiel an Ländern nehmen, die erfolgreich andere Wege gehen. Zum Beispiel Schweden: Dort setzt man nicht auf Schließungen und Maskenpflicht, sondern appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger, nationale Nachrichten beginnen nicht mit Meldungen über Infektionen, sondern beschäftigen sich mit anderen nationalen Themen, bei den Maßnahmen wird zwischen Schaden und Nutzen abgewogen.

Wenn jemand positiv getestet wird, wird zwar sein gesamter Haushalt in Quarantäne gestellt, aber Schulkinder sind davon ausgenommen, weil der Schaden durch den Bildungsausfall höher wäre als der Nutzen der Abschottung. Man muss auch berücksichtigen, dass Kinder das Virus kaum übertragen. Und die Isolation dauert nur 5-7 Tage (in Deutschland: 2 Wochen), da das Risiko, die Krankheit in der zweiten Woche zu verbreiten, nur gering ist, der Schaden für die psychische Gesundheit jedoch ungleich höher.

Und die Zahlen in Schweden? Im Vergleich zum restlichen Europa vergleichsweise gut. Seit Monaten nur noch einstellige Todeszahlen pro Tag, an manchen Tagen überhaupt keine. Und eine zufriedene Bevölkerung, dessen Vertrauen in die nationale Gesundheitsversorgung laut einer Umfrage der Universität Göteburg von 68 auf 88 Prozend gestiegen ist.

Panik ist keine Lösung

Meine Absicht ist es nicht, destruktive Kritik auszuüben. Doch ich halte es für eine Pflicht, auf Missstände aufmerksam zu machen. Auf einer privaten Webseite werde ich damit natürlich keine große Aufmerksamkeit erregen, doch darum geht es mir auch nicht.

Das Problem beim Umgang mit dem Thema seitens unserer Politik sehe ich darin, dass Panik geschürt und Fakten ignoriert werden, um die Maßnahmen rechtzufertigen. Und dass dieser Umstand von einem großen Teil der Bevölkerung nicht wahrgenommen oder sogar hingenommen wird. Gleichzeitig wird im Netz zensiert was das Zeug hält. Daran haben sich viele vielleicht gewöhnt. Ich werde diesen Fehler nicht machen. Man sollte aus der Geschichte gelernt haben.

Die Lösung? Wissenschaftlicher vorgehen. Anstatt freiheitsbeschränkender Maßnahmen oder der Schließung kompletter Sparten mehr auf Abstandsregeln pochen, Entscheidungen nicht aufgrund von Infektionszahlen sondern anhand echter Erkrankungen fällen (das ist ein großer Unterschied, da die meisten Covid-Erkrankten überhaupt keine Symptome zeigen!), den Dialog mit der Bevölkerung suchen, die bisherigen Maßnahmen nüchtern hinterfragen und sich Beispiele an Ländern wie Schweden nehmen, die gänzlich anders mit dem Thema umgehen.

Wir sitzen alle in einem Boot. Die meisten auf der einen oder auf der anderen Seite. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute zur Mitte rücken. Das wäre gesünder für das Boot und somit für alle.


In diesem Sinne...

Dein Manu