Manus Homepage über die Zeit

Selbstgedichtetes


Wasserklänge (1)

Geh'n wir in 'nem Wasser an
einen Tropfen Wasser ran
und hören zu, wie's Bad einläuft
und 's Wasser in sich selbst ersäuft.

Unterwasser hört das Brausen
sich ganz anders an als draußen.
Nur die Stille hört sich dort
so an wie an 'nem ander'n Ort.

So stellt sich uns ganz klar die Frage,
welche dieser Welten
uns die Wahrheit bringt zu Tage,
um als solche uns zu gelten.

M. Uhl (01/2002)


Wasserklänge (2)

Der Ton des Wasserfalls - das Rauschen -
hört sich groß und mächtig an,
du kannst die Tropfen zwar belauschen
(das ist nicht einfach zu versteh'n...),
auch wenn sie niemand hören kann,
da sie im Rauschen untergeh'n.

M. Uhl (01/2002)


So vieles...

So vieles ist in mir drin.
Meine Gedanken dreh'n sich um dich.

So vieles macht die Dinge so schwierig
und nie legt der Nebel sich.

Während der Rest der Welt
in klarem Licht erstrahlt,

hab' ich mir zum tausendsten mal
ein neues Bild von dir gemalt,

auch wenn es eigentlich immer dasselbe ist,
in noch schönerem Licht,

und ich ganz genau weiß:
„Es stimmt etwas nicht“,

erscheint es mit schönstem Gesicht
in Gedanken – in meinen,

und die dreh'n sich... um DICH!

M. Uhl für Kiki (05/2001)


Der Christbaum

Es war ein junger Tannenbaum
mit wunderschönen Träumen.
Wahrzunehmen unter all den Bäumen war er kaum.

Er stand in einem Mischwald.
Nichts besond'res gab's zu sehen.
In der Nacht war's ihm zu unbequem
und außerdem zu kalt.

Oh wie gern wär er ein Christbaum,
elegant, von bester Sorte –
weg von diesem Orte in 'nem wohlbeheizten Raum.

Alle andern würden plötzlich
sein Lamettakleid beneiden,
und für alle Zeiten wär er unersetzlich.

Es kam wie's kommen sollte:
Im Dezember letzten Jahres,
wurde er geholt für Bares, wie er's wollte.

Und fortan stand er,
ohne erbarmen,
nur noch im warmen Wohnzimmer.

Ohne Wurzeln, ganz alleine,
mit Lametta übersäht,
sieht er jetzt die Dinge anders – doch zu spät...

Wie gerne wär er jetzt im Wald,
für alle Lebenszeit,
und nicht dem Tod geweiht,
zumindest nicht so bald.

M. Uhl (03/2002)


Schatten der Meere

Wie ein Meer von Schmetterlingen,
das sich in schillernden Farben erhebt.
Wie ein Lichtermeer, das eine kranke Welt
und die Hoffnung wiederbelebt.

Wie ein Meer von Gedanken,
unaufhaltsam und mächtiger als der Verstand,
aneinandergereiht wie ein endlos erscheinend,
verflochtenes Band.

Wie ein Meer von Gefühlen,
getragen von stürmischem Wind,
leicht zu verletzen,
da es so unendlich viele sind.

Nur ein einziges Wort,
um die Schatten der Meere zu vertreiben.
Doch alle Sprachen dieser Welt
vermögen dies nicht zu beschreiben.

M. Uhl für Lutzi (05/2002)


Verzweifeltes Erwachen

Hoffend, verwirrt, fast ganz allein,
nächtlich verirrt im Lampenschein,
beobachtet von dunklen Gestalten, tief blickend,
wahllos in deinen Gedanken verstrickend.

Umherwandernd, einsam, fast kapitulierend,
im Dunkel des Nichts von der Kälte erfrierend,
verachtet von inneren Fluten, ergriffen
von Sehnsucht nach Gutem, vom Teufel gestriffen.

Vom künstlichen Schein einer Hoffnung getragen,
von Engeln verlassen, vom Schicksal geschlagen,
von Schmerzen entstellt, von seelischen Wunden,
zerrissen vom Zweifel an besseren Stunden.

Noch ungefunden die Kraft zum Entrinnen,
verschwindend ihr Anteil, doch kommend von innen
steigt langsam sie auf, es ist immer noch Nacht.
Vom Schrei deiner selbst bist du aufgewacht.

M. Uhl (12/2002)